News > eSport 22.02.2018 um 16:00 Uhr
Ein Tag im eSport Club München
Die Bachelorarbeit frisch eingereicht – das Master Studium vor der Brust – verschlug es mich vor dem neuen Sommersemester für ein Praktikum nach München. Neben Marienplatz, Arena und andere Sehenswürdigkeiten sollte auch der eSport nicht zu kurz kommen.

Das eSport und das Verfolgen von Computerspielen eines meiner Hobbys ist, sollte durch meine Tätigkeit im Verein kein Geheimnis sein. Deswegen schaute ich schon vor meiner Abreise nach Möglichkeiten, um gegebenenfalls auch vor Ort mal die ein oder andere Runde über die Server der Welt drehen zu können. Mein eigener Laptop bietet mir leider nicht wirklich die Möglichkeiten. Bei der Suche nach Internetcafés, Gamingbars und so weiter, stößt man sehr schnell im Großraum München auf den dort ansässigen eSport Club. Mein Interesse war jedenfalls geweckt und schon vor dem Weg in Richtung Süden plante ich einen Besuch.

Club München
Recht schnell musste ich jedoch feststellen, dass ein spontanes vorbeischauen gar nicht so einfach möglich ist. Auf Nachfrage erfuhr ich, dass der Club immer nur zu gesondert beworbenen Events öffnet (meist einmal pro Wochenende) und es keinen normal geregelten Betrieb zum Beispiel unter der Woche gibt. Meine erste Erwartung, dass es sich hierbei um eine Bar, ähnlich dem Meltdown in Köln oder Berlin handelt wurde somit auch recht schnell über Bord geworfen.

Um den eSport Club wirklich besser beschreiben zu können, hilf ein Blick auf die Homepage. Der Club wirbt mit Gaming auf rund 600 m², darunter einem Kino, 40 PCs und einer Streaming Ecke für Liveübertragungen. Auch das Abhalten von eigenen Bootcamps und Events ist kein Problem. Oha dachte ich, das klingt ja wirklich krass. Am letzten Wochenende stand dann auch die erste Veranstaltung im eSport Club an, an welcher ich zeitlich teilnehmen konnte. Die League of Legends LCS sollte ab dem späten Nachmittag im dazugehörigen Kino als eine Art Public Viewing gezeigt werden. Da meine Anfänge bei teamKR ebenfalls auf das Riot MOBA und dem dazugehörigen ESL Meisterschaftsteam zurückzuführen sind, war es für mich natürlich besonders interessant. Ich meldete mich kurz per Mail an und schilderte, dass ich vom Verein teamKR eSport Club käme und mich gerne mal im eSport Club umsehen würde. Darüber hinaus bat ich darum, mir einen der Gamingplätze freizuhalten.


Die Anreise zum eSport Club gestaltete sich für etwas holpriger als gewünscht. Dazu muss man wissen, dass sich trotz der Namensgebenden Stadt München der Club nicht im direkten Stadtgebiet befindet. Wer um die Wohnsituation und die immensen Grundstückspreise in der bayrischen Landeshauptstadt weiß, dürfte jedoch nicht darüber verwundert sein. Cira 25 Minuten fährt man aus der Innenstadt mit der S-Bahn in Richtung Osten bis man den Vorort Baldham erreicht. Ich denke eine durchaus vertretbare Strecke, auch wenn Menschen ja tendenziell faul sind.
Soweit so gut denkt jeder. Problematisch war nur, dass mein Handyakku in der S-Bahn seinen Geist aufgab und ich ohne jegliche Idee "wie es weiter geht" an der S-Bahnstation vor Ort strandete. Nach 20 Minuten herumirren und verdutzen Reaktionen wie "Was suchen Sie – eSport Club – was soll das sein?" hatte ich langsam eine heiße Spur. Etwa 10 Minuten von der S-Bahnstation entfernt liegt der Club in einem Gebäudekomplex welcher unter anderem einem Fitnessstudio sein Zuhause nennt. Freudig über das finden stand ich jedoch trotz der Info das geöffnet sei, vor einer verschlossenen Tür. Etwas verdutzt stellte ich mich unter und harrte der Dinge die da kommen. Ohne Akku kann man ja auch keinen anrufen und fragen. Doch recht zeitnah kam jemand und schilderte mir, dass heute nur der Gaming Bereich öffnet und nicht das dazugehörige Bistro. Ich müsste hinter dem Haus die Treppe runter in den Keller. Mehr Klischee geht nicht!


Am Empfang gab ich mich kurz als "derjenige von teamKR" zuerkennen und bezahlte meinen Beitrag. Preislich muss man sagen, dass ich etwas verwundert war. So veranschlagte man für das reine Public Viewing der LCS, welche auf Twitch gratis übertragen wird 8 EUR. Wenn man für die rund sieben Stunden Übertragungszeit jedoch noch einen Gaming PC nutzen wollte, sollten es 12 EUR sein. 12 EUR für über sechs Stunden Spielen an einem eigenen PC- das ist mehr als Fair. Selbst normale Internetcafés in welchen man lediglich surfen kann, rufen oft höhere Preise auf. Wenn man jedoch für 8 EUR zum Schauen der LCS in einem Vorort von München überzeugen wollte, bleibt mir schleierhaft. Meiner Meinung nach ist das reine Public Viewing vor Ort viel zu teuer wohingegen das Zocken eventuell auch ein oder zwei Euro mehr hätte kosten dürfen.

Der erste Eindruck der Location auf mich war anfänglich etwas erdrückend. Es war komplett dunkel, logischerweise gab es im Keller keine Fenster und andere größere Lichtquellen, bis auf die Bildschirme und Leinwände, waren auch Mangelware. Sowohl der Gamingbereich als auch der Bereich zum Steamen und das Kino befinden sich in einem großen Raum und sind baulich nicht getrennt. Ich persönlich mag so extrem dunkele Locations beim Zocken ja nicht, auch wenn dadurch ein gewissen 'LAN-feeling' entsteht – aber Geschmäcker sind ja verschieden. Das Mythos Kellerkind will ja gelebt werden ...
Was mich wirklich mehr als positiv überraschte war die Qualität der vorhanden Hardware. Die Rechner waren auf einem sehr neuen Stand. Alle gängigen Spiele liefen einwandfrei. Ich war mir gar nicht im Klaren darüber, wie gut ein CS:GO aussehen kann – meine Mühle Zuhause war um Längen von den dort bereitgestellten PCs entfernt. Auch neue Bildschirme, Gamingstühle und Peripherie waren vorhanden. Auf Wunsch konnte man sogar die Maus, Headset und Tastatur wechseln, falls man mit der Hardware am eigenen Rechner nicht warm wurde. Führt man sich vor Augen, dass von diesen Gamingmaschinen dort rund 40 Stück stehen, muss man wirklich den Hut ziehen.


Viel mehr gibt es dann auch eigentlich nicht zu berichten. Ich spielte meine Runden, laberte mit dem ein oder anderen im Team Speak oder schaute mal in einen Stream rein. Wirklich ins Gespräch vor Ort kam ich mit keinen, obwohl mir dies im Vorfeld extra angeboten wurde. Schade eigentlich, ich hätte gern mehr über das Projekt und die Leute dahinter erfahren um die Infos mit euch zu teilen. Allgemein verirrten sich jedoch über die Stunden, die ich dort war nur fünf Seelen in den Keller und jeder bleib für sich.
Auf dem Weg zurück in Richtung Innenstadt fragte ich mich persönlich, was nun das Fazit dieses Ausfluges sein soll und mir persönlich kam immer wiedereine Frage auf "Wen will der eSport Club eigentlich ansprechen?" Irgendwas scheint ja schief zulaufen, zumindest platze der Laben bei weitem nicht aus allen Nähten wie ein Meltdown in Köln oder die TakeTV-Bar wenn beworbene Events anstehen.
Sind es die Leute die wirklich das Internetcafé zum Spielen nutzen wollen gegebenenfalls sogar müssen?
Ich denke die Frage lässt sich relativ leicht mit Nein beantworten. Fast jeder der sich in Deutschland mit eSport beschäftigt hat seinen eigenen Rechner zu Hause. Diese Internetcafé-Kultur als 'soziales Ereignis' wie beispielsweise in Korea, ist bei uns einfach nicht so verbreitet. Und selbst wenn, ohne regelmäßige Öffnungszeiten könnte sich so etwas auch nur schwer entwickeln.
Möchte man eventuell Leute ansprechen die abends gerne mit gleichgesinnten bei einem Bier über die jüngsten Ergebnisse im eSport diskutieren wie die bekannten Gamingbars?
Auch dieser Eindruck entstand bei mir nicht wirklich. Der Tresenbereich im "Keller" war über die komplette Zeit nicht besetzt, der extrem dunkele Raum schaffte auch nicht wirklich ein entspanntes Gefühl zum Relaxen. Dazu kommt, wer fährt aus der Innenstadt raus um 8 Euro Eintritt zu zahlen. Das man vor Ort mit Getränken und dergleichen Geld verdienen muss, ist klar. Aber mir scheint dieser Eintrittspreis einfach zu hoch um wirklich Leute anzusprechen die einfach Bock haben entspannt eSport zuschauen und abzuhängen.
Sind es die Teams welche Bootcamps abhalten?
Das ist natürlich nach einem Abends schwer zu beurteilen, schließlich war ich als Einzelperson vor Ort – rein vom ersten Eindruck muss ich aber sagen, wenn ich mir aussuchen kann wie ich mein Bootcamp abhalten möchte, würde ich einem LAN-Haus der Location den Vorzug geben. Durch die offene Gestaltung der Räume fällt es schwer wirklich "für sich zu sein". Darüber hinaus sind keine Schlafplätze direkt in der Location vorhanden und müssen über ein Hotel im Ort dazu gebucht werden.


Also welche Leute erwartet der eSport Club bei sich? Ich kann es ehrlich gesagt nicht wirklich abschließend beantworten. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es dort eine wirklich geile Idee mit großen Potenzial gibt – für mich persönlich wirkt sie aber in verschiedener Hinsicht halbherzig zu Ende gedacht. Vielleicht ergibt sich in naher Zukunft ein weiterer Besuch, da natürlich immer ein falscher Eindruck bei einmaligen begutachten entstehen kann – ich hoffe einfach nur das der eSport Club sich noch lange halten kann. Ich persönlich tue solche Projekt zumindest extrem wertschätzen. Trotzdem muss man sich bei allem Potenzial meiner Meinung nach etwas einfallen lassen um wirklich einen Mehrwert zum eigenen Rechner herzustellen. Nur von teamKR-Helfern die vor Ort Praktika machen wird man auf Dauer wohl auch nicht über Wasser bleiben.

Abschließend möchte ich nochmal festhalten, dass ich keinesfalls den Club irgendwie besonders negativ oder ähnliches darstellen möchte und es ausschließlich meine persönlichen Empfindungen sind.
Als möglichen Ansatz beziehungsweise konstruktive Kritik wäre mein Vorschlag, das Anbieten von Offline Kursen. Man lädt einen (semi-)professionellen Spieler oder Trainer ein und verkauft vor Ort Workshop-Plätze wie bei einem normalen Training. Ich persönlich finde so etwas wirklich interessant und man kann den Vorteil des 'face to face' wirklich nutzen. Ich denke man würde im Großraum München bestimmt 30 bis 40 Leute finden die ein acht stündiges Seminar über Map Control in LoL, Basics in CS:GO oder was auch immer besuchen würden. Die Players HUB Bootcamps des Streams Silphie gehen in eine ähnliche Richtung und dort sind die Events reihenweise ausgebucht. Nur als kleine abschließende Idee.
Nick:
Location: Bochum
News: 4

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Kommentare: 2
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Luxifa

16.12.2018

Ort: Berlin
Beiträge: 12242
# 1 - 22.02.2018 um 16:48 Uhr

Vielen Dank für Deine Meinung.

Was ich raus lesen kann: Zum Abhängen mit Freunden wäre es durchaus eignet, wenn man gemeinsam spielen will. Aber als richtige Bootcamp-Location mit Ruhe um sich herum, wäre es nicht so geeignet?
timoatvfl

16.12.2018

Ort: Mönchengladbach
Beiträge: 680
# 2 - 22.02.2018 um 20:12 Uhr

Danke für deinen Bericht tobs

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