Blog > wiLsoN 08.05.2012 um 14:32 Uhr
Schwere Zeiten für Spieler wie Verantwortliche
In den vergangenen Wochen ging es heiß her in der eSport-Welt. Leider rückten hierbei einmal mehr Personen in den Fokus des öffentlichen Interesses, die dort eigentlich nur bedingt etwas zu suchen haben: Leiter und Helfer einzelner Projekte machten Negativschlagzeilen. Spieler oder Verantwortliche, wer hat es heute schwerer im eSport?

Zu Beginn möchte ich darauf aufmerksam machen, dass dies eine rein subjektive Darstellung ist und nicht den Anspruch hat, die Gesamtsituation des eSports objektiv zu beleuchten.

Blue Elph

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Wild-Play, Blue Elph und iPLAY sind wohl die aktuellsten Beispiele, wenn es um das Thema Negativschlagzeilen von Clans geht. Während iPLAY, aus Sicht eines Projektleiters, wohl lediglich ein Team auf etwas unglückliche Art vor die Tür setzte, kostete das Verhalten der Leiter von Wild-Play augenscheinlich ein Team die Teilnahme an der EPS-Relegation.

Die Krönung ist, glaubt man Artikeln wie diesem auf efever, dieser Tage unangefochten das Werksteam von Blue Elph. Mit der Verpflichtung eines dänischen CS:S-Teams ging das Versprechen einher, man werde dem Team die Teilnahme an den Copenhagen Games ermöglichen. Erst vor Ort stellte sich für die Spieler heraus, dass der von ihnen angeforderte Sceenshot als Beweis für die Bezahlung des Events eine dreiste Fälschung gewesen sein muss.

Das Thema Blue Elph möchte ich an dieser Stelle nicht weiter vertiefen, es spricht für sich, dass die Spieler die Gebühren für das Event selbst entrichtet haben. Jedoch sei der Satz erlaubt, dass man sich seine Helfer genau aussuchen sollte, denn sie repräsentieren immer einen selbst und den Verein, respektive das Unternehmen.

iPLAY

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Wenden wir uns an dieser Stelle iPLAY zu: Hier wurde seitens der Leitung die Entscheidung getroffen, fortan auf ein einzelnes CS:S-Team zu setzen, das gleichermaßen in 4PL und ESL auftreten soll. Sicherlich ist es im eSport nicht die feine englische Art, seine Spieler vor die Tür zu setzen, doch ist es das gute Recht des Clans; und im Zweifelsfall vielleicht die einzige richtige Entscheidung, um das Ansehen nicht zu gefährden.

Man kann nur mutmaßen, dass sich seit der Verpflichtung der Mannschaft etwas Negatives aus Sicht der Verantwortlichen von iPLAY ereignet haben muss, das zu diesem Schritt verleitete. Man engagierte immerhin bewusst einen Spieler, der derzeit in der ESL wegen Cheating gesperrt ist und wollte diesem Akteur so eine zweite Chance einräumen. Seine Sperre läuft bald aus, er hätte ebenso in beiden Ligen aktiv mitwirken können. Gab es einen Vorfall oder zeigte sich das Team gänzlich unkooperativ, ist die Entscheidung aus meiner Sicht nachvollziehbar, wenn auch die Art und Weise der Präsentation vielleicht etwas unglücklich war.

Im Zuge dessen keimte auch kurz die Diskussion auf, dass iPLAY kein eingetragener Verein sei. In diesem Fall jedoch ist auf den ersten Blick nirgendwo ausgewiesen, dass iPLAY ein eingetragener Verein ist. Zu finden ist im Forum beispielsweise ein Mitgliedsantrag für einen Verein in Gründung. Inzwischen ist die Gründung wohl erfolgt, iPLAY wartet derzeit auf die Eintragung ins Vereinsregister, nachdem die notarielle Beglaubigung in der Tasche ist.

Wild-Play

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Kommen wir zum dritten Fall: Wild-Play. Hier liegt, so scheint es zumindest, wirklich ein Betrug hinsichtlich der Eintragung des Vereins vor. Allein dieser Fakt wirft natürlich Fragen auf und wirft ein ungemein schlechtes Licht auf die deutsche Clanszene. Dass bei iPLAY dann direkt wieder die Nadel im Heuhaufen gesucht wird, ist eines der Resultate. Generell finde ich es allerdings gut, dass Spieler sich endlich wieder ein wenig genauer mit dem Verein beschäftigen, für den sie de facto spielen (wollen). Oftmals ist ja die erste Frage, die man als Clanleiter hört, die nach den Gegenleistungen, ohne dass sich das Team auch nur ansatzweise dazu verpflichtet fühlen würde, aufzuzeigen, welchen Wert es dem Clan dafür entgegenbringt.

Diese Frage stellt sich rund um die EPS-Truppe von KRAEUTERHUMPEN nicht. Das ehemalige CS:S-Team von mousesports wurde von Wild-Play verpflichtet, dem bereits vorhandenen um mT sei vermittelt worden, dass eine Teilnahme an der EPS-Relegation nicht gefährdet sei. Dies ist de facto natürlich ein Management-Fehler, denn bekanntlich darf ein Lizenzhalter nur mit einer Mannschaft in einer ESL Premiership vertreten sein. An dieser Stelle ist es mir ein Bedürfnis loszuwerden, es ist absolut lächerlich, dass Clans ohne juristische Person mit mehr als einem Team teilnehmen dürfen, weil die Lizenzen bei unterschiedlichen natürlichen Personen geparkt sind. Aber das nur am Rande.

Management-Fehler hin oder her, jedenfalls zeigt dieses Beispiel einmal mehr, dass die Spieler immer wieder auf die Clans und ihre Fehltritte schimpfen, sich im Gegenzug oftmals aber überhaupt nicht im Klaren über den Apparat sind, der mittlerweile hinter einem gut organisierten Clan steht. Sie sind sich, wie in diesem Fall rund ums Team von mT, allesamt zu schade, selbst einmal das Regelwerk zu öffnen und nachzulesen, wie genau solche Fälle gehandhabt werden. Wird man daraus nicht schlau, steht einem die ESL Rede und Antwort. Stattdessen verlässt man sich lieber auf die Aussagen eines Clanleiters, der einem die EPS-Relegation oder die Teilnahme an einer internationalen LAN wie den Copenhagen Games zusagt. Damit sei die Vorgehensweise von Wild-Play allerdings in keinster Weise entschuldigt.


Fazit:

Ob es eher die Fraktion der Verantwortlichen oder die der Spieler leichter hat, lässt sich nicht so einfach beantworten. Jedenfalls kann man an diesen drei Beispielen klar ablesen, dass beide Seiten Defizite haben.

Die Spieler sind einerseits bei weitem nicht so professionell wie mancher Clanleiter es sich wünschen würde, fordern aber in niedrigen Tabellenregionen Gegenleistungen, die vielleicht Topspieler erhalten. Mit eben diesen unrealistischen Forderungen der Spieler haben die Clanleiter tagtäglich zu kämpfen. Sie sollen die Erwartungen der Akteure erfüllen und ihnen Eventreisen ermöglichen, im Gegenzug hält das Team aber vielleicht gerade einmal zwei Monate, spielt das Geld, mit dem der Verein in Vorlage getreten ist, nicht wieder ein. Hierbei gewinnt nur der Spieler, wenn er nicht gerade auf Clanleiter trifft, die sich über unhaltbare Versprechungen hinsichtlich monetärer Gegenleistungen profilieren wollen.

Das führt zu dem Aspekt, dass sicherlich auch viele Clans noch Nachholbedarf in Sachen Professionalität haben. Allerdings möchte ich hier betonen, dass meist die Clanleiter selbst in ihre Spieler aus der privaten Kasse investieren, wenn man nicht gerade von einem Werksteam oder einem über lange Jahre (inter-)national etablierten Clan spricht, der über die nötigen Sponsoren als Rückhalt verfügt. Der Weg dorthin ist für viele reizvoll, doch oftmals fehlt das nötige Know-How.

Sicherheit könnten in beide Richtungen, zwischen Clan und Spieler, Verträge bieten. Jedoch: Sind die jeweiligen Clanleiter in der Lage, diese zu erstellen? Sind die Spieler wirklich bereit, diese zu unterzeichnen? Wie sollte die Laufzeit eines solchen Vertrages sein? Immerhin gibt es jetzt schon drei EPS-Saisons pro Jahr. Hält ein Team über diese Zeit?


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