Blog > wiLsoN 15.09.2011 um 21:52 Uhr
Die Machtmaschine der ESL
Die GamesCom ist noch nicht allzu lange her. Dort wurde unter anderem eine Pilotfolge der ESL Pro Series, genauer gesagt des Intel Friday Night Game, das die offizielle Saisoneröffnung markierte, gedreht. Manch einer mag sich nun vielleicht fragen, wieso ich von einer Pilotfolge spreche, ist das an sich doch nichts Neues für den eSport-Fan. Das Format "FTW - For The Win" ist allerdings brandneu.

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Es hat sich etwas Grundlegendes geändert, die ESL sicherte sich eine Übertragung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Der Spartensender ZDFkultur, seines Zeichens der Jugendableger der Senderfamilie, übertrug FIFA, Trackmania und auch Counter-Strike: Source in voller Länge. Einen Mehrwert lieferten hierbei die auf die einzelnen Spiele und Themen zugeschnittenen Einspieler. Es wurde unter anderem ein Fußballprofi zum Thema FIFA und seiner Einstellung gegenüber eSport befragt. Er respektiere das Engagement und die Leistung der Spieler, hieß es hierbei von diesem. Darüber hinaus wurde Hermann Latz, Justiziar des Deutschen Olympischen Sportbundes, befragt, ob der elektronische Sport die Chance auf Anerkennung als offizielle Sportart habe. Nebst der Tatsache, dass die eigenmotorische Betätigung fehle, hatte dieser vor allem an der Verbandsstruktur unseres Hobbys etwas auszusetzen. Der Deutsche eSport Bund (esb) sei nicht gemeinnützig, so ist seine Aussage zu deuten. Dies sei aber Grundvoraussetzung für die Anerkennung dessen als Dachverband.

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Insgesamt drei Stunden Sendezeit gönnte das ZDF dem eSport somit in seiner Pilotfolge. Geprägt war das Bild von den gelieferten selbigen von ESL TV, für den Interessierten Zuschauer, der ab und an das TV-Format der ESL konsumiert, absolut nichts Neues. Während eingangs bei FIFA die Moderation zu wünschen übrig ließ, der Co-Moderator teilweise nicht einmal zuordnen konnte, welches Team gerade auf welches Tor spielte, versuchte Dennis 'TaKe' Gehlen, mit seiner Erfahrung dies auszugleichen. Es folgte Trackmania, wo die Moderation wesentlich professioneller wirkte, der eingeladene Co-Moderator das tat, wofür er eingeladen war – das Glänzen durch spielbezogenes Fachwissen. Besonders schwere Passagen auf einer Strecke wurden als solche ausgewiesen und stets Erklärungsansätze gesucht, warum ein Spieler einen Abschnitt gerade besonders gut oder schlecht passierte. Über Counter-Strike: Source möchte ich an dieser Stelle nicht diskutieren, ist das Spielprinzip mit all seinen Nuancen zu komplex, um es dem mit der Materie weniger vertrauten Zuschauer zu vermitteln. Insgesamt war die Moderation von Knochen aber eher dürftig und auf Zuschauer zugeschnitten, die sich mit CS:S auskennen.

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Die drei ausgewählten Titel glänzen allesamt durch ihre "eSport-Tauglichkeit", bieten - zumindest in der Theorie - auch dem weniger versierten Zuschauer interessante Bilder. Sicherlich stellt sich hier auch die Frage, was man künftig für Spiele im Fernsehen schauen kann. Renn- und Sportsimulationen kommen allgemeinhin weniger gut beim Publikum an, ist hier doch genauso das Verfolgen des realen Sports möglich und wohl auch interessanter. Insofern wird der Fokus wohl weiter auf einzigartigen Formaten liegen, die in der Realität nicht vorkommen. Zuletzt kündigte die ESL an, World of Tanks in die Riege der EPS-Titel aufzunehmen. Im Hause Turtle Entertainment argumentiert man mit der Beliebtheit des Titels – und sicherlich tut auch die Tatsache, dass der Publisher insgesamt 25.000 Euro für EPS, EMS und Go4-Cups beisteuert, ihr Übriges.

Die ESL kämpft aktuell um die große Masse der Casual Gamer (Gelegenheitsspieler), so dass hierüber weitere Einnahmen über ESL Premium und andere Wege generiert werden können. World of Tanks erfreut sich aktuell sicherlich große Beliebtheit; allerdings bleibt die Frage, inwieweit sich dieser Titel über einen längeren Zeitraum etablieren kann. Sicherlich ist die Akzeptanz der Core Gamer (Intensivspieler) gegenüber Casual Games (Spiele für Gelegenheitsspieler) nicht allzu hoch. Dennoch sollte die Frage erlaubt sein, ob World of Tanks der richtige Titel für die EPS ist. Wie der Modus genau aussieht, entzieht sich meiner Kenntnis. Es kursieren jedoch Gerüchte, dass man sich mittels Geld Vorteile erkaufen könne. Falls das der Fall sein sollte, lautet die Antwort ganz klar: Nein, World of Tanks ist nicht der richtige Titel für eine EPS – und schon gar nicht für eine interessante Übertragung im TV. Die ESL darf keinesfalls den eSport als solches verunglimpfen, indem sich Hersteller scheinbar wahllos mit Geld in die höchste deutsche Spielklasse einkaufen können. Im Endeffekt bleibt es ein Versuch den Geldbeutel der Spieler zu öffnen, die sich über diesen ihren EPS-Sieg dann genauso erkaufen wie der Hersteller den Einzug in diese.


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