Blog > wiLsoN 22.06.2011 um 22:42 Uhr
Meinung zur Erweiterung des Ligapokals
Seit wenigen Tagen ist nun bekannt, dass Turtle Entertainment eine Erweiterung des ESL-Ligapokals plant. Ab sofort wird in allen Titeln (CS, CS:S, FIFA, SC2) quasi auch die Regionalliga des eSports mit einbezogen. Diese niedergeschriebene Meinung soll einfach einige Schwierigkeiten aufzeigen und die Frage stellen, worauf die ESL mit ihrem Pokal wirklich abzielt. Verzeiht mir, falls es an der einen oder andere Stelle gedanklich etwas unsortiert wirkt.

Der ESL Ligapokal ist seit der Einführung der gesonderten ersten Division der Amateur Series ein zweiter Versuch der ESL der Amateurszene eine größere Bühne zu geben. Die Einführung der ersten Division war eine gute Idee, hätte viel mehr Spieler und Teams locken können. Jedoch verpasste meiner Ansicht nach die ESL das Schaffen von Anreizen (z.B. Geldpreise, Premium) für die Teams. Natürlich ist diese weiterhin der Weg für die Qualifikation zur EPS, keine Frage. Mit der Teilnehmerliste in Form der Premiership-Teams (EPS & EAS 1st Division) hatte der Ligapokal seinen Reiz für die Teams der ersten Division. Es machte das Spielen in der ersten Division wieder attraktiver. Allerdings ist vielen Spielern der Weg von der Amateur bis in die Pro Series zu lang, es gibt zu viele Möglichkeiten, mitten in der Saison zwischen Ligen hin und her zu springen. Dementsprechend schwierig dürfte es für Teams aus dem Unterhaus werden, wirklich ein Team zu stellen, das die Auflagen der ESL erfüllt. Speziell die Thematik Mehrheits-Lineup wird so mancher Mannschaft die Teilnahme wohl verwehren.

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Der ESL-Ligapokal
nicht jeder darf mitspielen
Des Weiteren bringt die Erweiterung ein anderes Problem mit sich. Lasse ich vor meinem inneren Auge die letzte Ausgabe Revue passieren, ist mir vor allem eins in Erinnerung geblieben: Die Präsentation des Pokals war an Unprofessionalität kaum zu überbieten! Matthias 'Mase' Meyer, einer der CS/CS:S-Moderatoren, saß gemütlich auf dem Sofa und machte sich über die Namen der kleinen Teams lustig. Sprüche wie "Botparty klingt lustig, deshalb schaue ich mir das Spiel an" oder "teamKR.de, die haben gleich die URL in den Namen gepackt, damit überhaupt wer auf die Seite geht" (sinngemäß aus der Erinnerung rund um die erste CS-Auslosung heraus wiedergegeben) hinterließen einen mehr als faden Beigeschmack. Wie sollen Bemühungen im Bundestag mehr als 50 Abgeordnete anlocken, wenn man innerhalb der Community schon so die Bemühungen anderer in den Dreck zieht? Wieso geht man, wenn man es selbst - aus welchen Gründen auch immer - nicht schafft, nicht auf die Organisationen hinter den Teams zu und lässt sich durch diese Informationen über ihre jeweilige Mannschaft geben, die man verwenden kann, um diese zu präsentieren? Jeder kleine Clan, jeder kleine Verein und jedes Team, sollte doch ein gesteigertes Interesse daran haben, sich auf ESL TV ordentlich zu verkaufen. Warum nutzt man diese Manpower innerhalb der Community nicht für seine Zwecke? Man hat doch ein Media-Team im Hintergrund mit bekannten Gesichtern, warum lässt man nicht zu jeder Mannschaft einen 30-Sekunden-Clip basteln? Es erwartet wohl niemand eine minutenlange Präsentation á la Champions oder Europa League. Aber ist das nicht genau die Richtung, die man einschlagen müsste?

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Die Marke ESL
Synonym für Professionalität?!?
Mit der bloßen Erhöhung der Teilnehmerzahl ist es nicht getan. Es wirkt teilweise, als ob seitens der ESL wirkliche Konzepte fehlen und man den einfachsten Weg beschreitet. Natürlich gemäß der oftmals getätigten Aussagen „im Sinne des eSports“. Nur stellt sich da die Frage, inwieweit eine profitorientierte Firma über das Wohl des Hobbys von Millionen Spielern zu entscheiden vermag. Sind es nicht die Spieler selbst, die hier gehört werden sollten? Jedenfalls werden Formate wie der Ligapokal - und ich schließe an dieser Stelle die Pro Series mit ein - langfristig nur erfolgreich bleiben, wenn die Konzepte dahinter sich verbessern. Vielerorts wird bemängelt, dass es keine Typen á la Chefkoch mehr gibt. Auf einschlägigen Seiten wird nur die höchste deutsche Spielklasse berücksichtigt, auf ESL TV wird - zumindest wenn ich selten mal den Weg dorthin finde – fast mehr über die nächste Pizzabestellung der Moderatoren philosophiert, als dass man sich wirklich Gedanken über das Spiel macht und Spielzüge analysiert oder Spieler vorstellt. Stimmt ja, Spielervorstellungen sind unnötig, man sieht sowieso immer dieselben Akteure über die Mattscheibe flimmern. Ich möchte hiermit niemanden angreifen und mir ist bewusst, dass der eSport ohne die ESL heute nicht soweit wäre. Allerdings muss auch im Hause der ESL der nächste Schritt in Richtung Professionalität vollzogen werden, insbesondere im nationalen Sektor. Will man das langfristige Bestehen sichern, muss mehr (Zeit und/oder Geld) in den Amateurbereich investiert werden.

Es kann nicht sein, dass die erste Pokalauslosung Wochen vorher angekündigt wird und dabei so ein langweiliger Stuss rauskommt, weil sich Moderatoren offenkundig nicht vorbereitet haben. Kein Wunder, dass die zweite Auslosung nur noch einen Tag im Voraus bekannt gegeben wurde und die folgenden im Anschluss an die Spiele stattfanden - so hatte man schließlich eine wunderbare Ausrede, weshalb man sich nicht vorbereiten konnte. Ich bezweifle noch, dass die ESL die Kapazitäten hat, um eine ordentliche Präsentation von nun maximal 256 Teams und Spielern zu gewährleisten. Und damit würde der Ligapokal wohl noch mehr im Sumpf der Preisgeld-Turniere untergehen. Das kann und darf eigentlich nicht der Anspruch der Schildkröten sein.


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